Partnerschaft Südindien
Die „Karnataka Southern Diocese“ gehört zur „Church of South India“. Diese Kirche ist 1947 nach der Unabhängigkeit Indiens neu gegründet worden, indem sich Kirchen der Anglikanischen Tradition, der Methodisten, der Reformierten Tradition (Basler Mission) und Kongregationalisten zusammengeschlossen haben. Sie bildeten damit eine große unierte Kirche, in der die verschiedenen Traditionen zwar lokal noch erkennbar sind, die sich aber aus dem Wort Jesu inspirieren möchte: „auf dass sie alle Eins seien“ (Joh 17,21). Als ebenfalls unierte Kirche in Deutschland pflegt die Badische Landeskirche insbesondere ihre Partnerschaften mit anderen unierten Kirchen weltweit, es gibt daher mehrere Partnerschaften in der EKIBA mit Diözesen der „Church of South India“.
Die Partnerschaft zwischen dem Kirchenbezirk Villingen und der „Karnataka Southern Diocese“ ist 1991 entstanden, seitdem hat es vielfältige Kontakte gegeben. Allerdings waren die letzten Jahre schwierig, aufgrund der Kontakt- und Reisebeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie. Trotz allem gab es seit einiger Zeit einen kleinen Handel mit Pfeffer aus Indien in den Gemeinden des Kirchenbezirks, das war allerdings manchmal holperig, und so sollte bei dem Besuch auch versucht werden, diesen kleinen Handel zu verstetigen. Außerdem gab es seit Ende 2023 eine neue Kirchenleitung, auch hier sollten die Kontakte intensiviert werden.
Die „Karnataka Southern Diocese“ umfasst den südlichen Teil des Bundesstaates Karnataka, der Sitz der Kirche ist in der Hafenstadt Mangalore, nachdem er früher in der Residenzstadt Mysore war. In Mangalore sind 1834 drei Pfarrer der Basler Mission gelandet und haben nach und nach eine evangelische Kirche aufgebaut. Das Erbe der Basler Mission wird sehr in Ehren gehalten, weil die Basler Missionare sich sehr für Sprache (Kannada) und lokale Kultur interessiert haben, Schulen gebaut haben und sich um das Wohlergehen der Menschen gekümmert haben. Das erste wissenschaftliche Wörterbuch der Kannada-Sprache wurde von ihnen erstellt, und die Druckerpresse, mit der Informationen aus der weiten Welt verbreitet wurde, funktioniert bis heute. Die Flüsse, die aus dem Hochland an der Küste dort ins Meer münden, bringen feine Sedimente mit, die als Ton zu Ziegeln gebrannt werden konnten. Die „Basel Mission Tiles“ finden sich in vielen Dächern verbaut, weil von besonders hoher Qualität. So war der Ansatz der Basler Mission sehr vielfältig. Wichtig war auch, dass die Basler Missionare mit dem Christentum die Auflösung der nach Kasten streng horizontalen Gliederung der indischen Gesellschaft verkündigt haben: Gottes Liebe gilt jedem Menschen und das unabhängig zu welcher Kaste er gehört. Und wer an Gott glaubt ist ein Gotteskind, und damit nicht mehr dem Kastenwesen unterworfen. Das war eine Befreiung, insbesondere für Angehörige der unteren Kasten, bzw. der kastenlosen „Dalits“.
Ende Oktober 2024 ist eine kleine Gruppe aus dem Kirchenbezirk Villingen nach Indien aufgebrochen, um ihrer Partnerschaft mit der „Karnataka Southern Diocese“ neuen Schwung zu verleihen. Nach Corona- und anderen Pausen galt es, die Kontakte zu erneuern.
Der Partnerschaftsbeauftragte der „Karnataka Southern Diocese“, Reginald Soans, hatte eine Rundreise zusammengestellt. Nach Ankunft in der IT-Metropole Bangalore sind wir zuerst in die alte Residenzstadt Mysore gefahren, dort Krankenhaus (CSI Holdsworth Memorial Hospital, eine method. Gründung) und Kirchengemeinde besucht (in anglik. Tradition), dann weiter durch das Gebirge der West-Ghats mit seinen Pfeffer-Plantagen in die Küstenebene nach Mangalore gefahren. Von dort gab es einen Tagesausflug nach Norden in die Stadt Udupi, und einen 2-Tages-Ausflug nach Kasaragod im Süden.
Neben Kirchengemeinden haben wir dort auch Bildungseinrichtungen (Boarding Homes und Schulen) besucht, sowie Krankenhäuser und natürlich die Kirchenleitung in Mangalore.
An mehreren Stellen konnte man merken, dass Indien sich in einer Umbruchsituation befindet. Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahrzehnte stellt überkommene diakonische Einrichtungen wie die „boarding homes“ in Frage. Hier wurden Waisen oder Kinder aus armen, kinderreichen Familien aufgenommen, bekamen zu Essen und konnten eine Schule besuchen. Dieses Modell ist mit Rückgang der Geburtenraten und besserer medizinischer Versorgung auch der unteren Bevölkerungsschichten so nicht mehr zukunftsträchtig. Die Kindernothilfe als große NGO hat vor Kurzem entschieden, dass Indien kein Entwicklungsland mehr ist, und daher die finanzielle Unterstützung von „boarding homes“ in Indien eingestellt, damit ist für sie ein wichtiges finanzielles Standbein weggebrochen. Ähnliches lässt sich für die Krankenhäuser feststellen: neben den alten „Mission Hospitals“ sind moderne Krankenhäuser für eine zahlungskräftige Klientel entstanden, was die alten Häuser wirtschaftlich enorm unter Druck setzt.
Unsere Partner sehen Indien weiter auf dem Weg der großen religiösen Toleranz. Dies trifft für Südindien sicher noch eher zu als für Nordindien, auch da die südindischen Bundesstaaten von der Kongress-Partei regiert werden, die traditionell Minderheiten-freundlich aufgestellt ist. Die BJP-Partei von Premier Modi bevorzugt dagegen sehr klar die Hindu-Religion, in Bundesstaaten, in denen sie die Regierung stellt, wird die Toleranz auf eine harte Probe gestellt. Im Rahmen von Anti-Terror-Gesetzgebung wurden von der Bundesregierung Indiens auch Gesetze erlassen, die es den Angehörigen von Konvertiten erlauben, den Übertritt in eine andere Religion strafrechtlich verfolgen zu lassen. Die Person, die für den Übertritt verantwortlich gemacht wird, wird hierzu erst einmal in Haft genommen, bevor die Umstände geklärt werden. Dadurch schwebt über der Amtsausübung von Pfarrpersonen ständig ein Damoklesschwert. Auch das eine Realität, die man erst vor Ort im intensiven Austausch mit den Partnern erfährt.
So hat die Reisegruppe in den 11 Tagen sehr viele verschiedene Facetten Indiens kennengelernt – und es ist deutlich geworden, dass auch das nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus diesem riesigen Land mit seinen vielen Realitäten ist. Schön ist die Verlässlichkeit einer langen Partnerschaft, die nicht bei der kleinsten Schwierigkeit in Frage gestellt wird, und in der Freuden und auch Sorgen ihren Raum haben. So haben wir unsererseits auch von der stark schwindenden Kirchenbindung in Deutschland erzählt, von den Strukturprozessen der EKIBA, den Fragen rund um die Gebäudenutzung und den Nachwuchs von Pfarrpersonen. Auch das sind Fragen, die die Partner kennen, und die auch sie umtreiben, in ihrem jeweiligen Kontext. So entsteht ein guter, intensiver Austausch über das Kirche sein hier und dort.
1989: erste Kontakte, vermittelt durch Kirchenrat Epting und den Indienreferenten des ems. Erster Besuch von Bischof Shettian.
1990: Briefwechsel Pfr. Noeske und Bischof Shettian.
1990: Briefwechsel Pfr. Noeske und Bischof Shettian.
Die erste Generation:
1991: Besuch von 6 Delegierten aus Südindien, Fahrt von 7 Delegierten nach Südindien(dabei Lore Heinemann, Elke Bartels, Edgar Dorn)
1992: Jugendbegegnung in der KSD.
1993: Gegenbesuch von 10 jungen Leuten aus Indien im Kirchenbezirk.
1994: Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, Bischof Shettian und Dekan Treiber, auf einer Bezirkssynode in Villingen.
1995: 7 Jugendliche reisen mit Carola Fischer nach Südindien.
1996: Besuch von Bischof Shettian im Kirchenbezirk Villingen.
1997: Bischof Shettian geht in Ruhestand, der designierte Nachfolger Dr. Furtado besucht Villingen.
1998: Eine Gruppe von Rotariern reist nach Südindien, Einweihung einer unterstützten Schule.
Die zweite Generation:
2000: Besuch von 6 Gästen aus der KSD im Kirchenbezirk aus Anlass des Landesmissionsfestes in Schopfheim.
2002: Bischof Furtado und seine Frau sind aus Anlass der Verabschiedung von Pfr. Noeske zu Gast im Kirchenbezirk.
2003: Der geplante Arbeitsbesuch von Dekan Treiber und Pfr. Bader auf Einladung von Bischof Furtado kam nicht zustande.
2004: In Villingen versuchter Neuansatz auf Bezirkssynode, in Mangalore Nachfolger von Bischof Furtado, mit dem das Gespräch mühsamer wurde.
2004 bis 2009: The „gap“. Nur vereinzelte Kontakte, nicht auf der „offiziellen“ Ebene.
2009: Dr. John Sadananda wird Bischof der KSD, Besuch von Eckard Dewald vom AK Mission und Ökumene in Mangalore, Einladung an Bischof Sadananda.
Die dritte Generation:
2010: Besuch von Bischof Sadananda und Rev. Premkumar Soans in Villingen, seitdem regelmäßige Email-Kontakte.
2011: Besuch von Dekan Rüter-Ebel, Pfr. Bader und Pfr. Ockert in der KSD rund um Mangalore im November, Gespräche über die weitere Entwicklung der Partnerschaft.
2013: In den Osterferien fand eine Reise zur Partnerkirche nach Südindien statt. Dekan Rüter-Ebel, Karin Nagel und Pfr. Ockert waren dabei, insgesamt waren zwanzig Menschen in Mangelore und Mysore. Neben vielfältigen Begegnungen waren die zweitätige Projektphase prägend, ebenso der Aufenthalt in Familien, dazu das gemeinsame Feiern der Gottesdienste an den hohen Feiertagen.
2014: Gegenbesuch einer indischen Gruppe in Villingen im Juli, mit Rev. Devakumar und Treasurer Kaunds. Im Dezember Wahl des neuen Bischofs Mohan Manoraj.
Die vierte Generation:
2015: Antrittsbesuch von Pfr. Oliver Uth und Dekan Wolfgang Rüter-Ebel in Mysore und Mangalore bei Bischof Mohan Manoraj (Herbst 2015).
2016: Pfr. Oliver Uth leitete eine Reisegruppe, die im Spätsommer die Partnerkirche besuchte. Die Reise gewährte Einblicke in Gemeinden, Kinderheime, Hospitäler und Bildungseinrichtungen der Kirche, besucht wurden aber auch Sehenswürdigkeiten rund um Mysore und Udupi, sowie der Strand von Mangalore.
2017: Besuch aus Indien im Kirchenbezirk Villingen: Im Mai ist eine achtköpfige Delegation zu Gast. Außer den Begegnungen rund um Villingen stand der gemeinsame Besuch des Kirchentags in Berlin und Wittenberg auf dem Programm, außerdem ein Badisches Partnerschaftsseminar mit anderen Partnerschaftsgruppen in Bühl. Neben Bischof Mohan Manoraj und seiner Frau Prema waren die Vizepräsidentin der Diözese Schwester Pastorin Sujatha, der Sekretär der Diözese William Carey, der Schatzmeister Vincent Palanna, der langjährige Partnerschafts-Verantwortliche Reginold Soans mit seiner Frau Rajini Rashmi und Pfarrer Binu dabei.












